GEO ist zwei Jahre alt, und der Anbietermarkt ist in dieser Zeit schneller gewachsen als die Datenlage. Viele Agenturen haben das Thema ins Portfolio genommen, ohne dass klar wäre, welche Maßnahmen tatsächlich wirken.
Dieser Beitrag hilft bei der Auswahl. Ohne Anbieternamen, dafür mit Kriterien, die Sie selbst prüfen können.
Was eine GEO-Agentur macht
GEO steht für Generative Engine Optimization. Ziel ist, dass KI-Systeme ein Unternehmen nennen oder als Quelle anführen, wenn jemand eine Frage aus dessen Themenfeld stellt. Gemeint sind ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews und AI Mode, Gemini, Claude und Copilot.
Eine Agentur, die GEO anbietet, sollte vier Dinge leisten:
Messen, ob und wo Sie heute in KI-Antworten vorkommen.
Analysieren, wer stattdessen genannt wird und welche Quellen die Systeme heranziehen.
Umsetzen, was sich daraus ableitet, auf der Website und außerhalb.
Nachmessen, ob sich etwas verändert hat.
Fehlt der erste oder der vierte Punkt, ist das kein GEO-Angebot, sondern ein SEO-Angebot mit neuem Etikett.
Der Unterschied zu SEO
| Merkmal | SEO | GEO |
|---|---|---|
| Ziel | Platzierung in den Suchergebnissen | Nennung in der Antwort |
| Messgröße | Position, Klicks, Traffic | Häufigkeit der Nennung über ein Fragenset |
| Grundlage | Inhalte, Technik, externe Signale | dieselbe Grundlage |
Die letzte Zeile ist der Punkt, an dem sich Anbieter unterscheiden. Was in KI-Systemen wirkt, entspricht weitgehend dem, was in der klassischen Suche schon immer gewirkt hat. Neu ist im Wesentlichen die Messung.
Wer Ihnen GEO als völlig eigenständige Disziplin verkauft, für die eine zweite Strategie und ein zweites Budget nötig sind, sollte erklären können, welche Arbeit dabei zusätzlich anfällt.
Was an GEO belegt ist und was nicht
Sieben Kriterien
1. Es gibt eine Ausgangsmessung. Vor jeder Maßnahme steht ein Wert mit Datum: bei wie vielen Fragen Sie heute vorkommen, in welchen Systemen, und wer stattdessen genannt wird. Ohne Ausgangswert lässt sich später keine Wirkung belegen.
2. Gemessen wird ein Set, keine Einzelfrage. Dieselbe Sache, unterschiedlich gefragt, führt zu unterschiedlichen Antworten. Fünfzehn bis vierzig Fragen sind eine brauchbare Größe, eine einzelne Abfrage ist ein Zufallsbefund.
3. Es wird über mehrere Tage erhoben. Die Ergebnisse schwanken. Eine Momentaufnahme taugt nicht als Grundlage.
4. Die Nachmessung ist Teil des Angebots. Und zwar mit demselben Set, in festen Abständen. Wer nur einmal misst, verkauft eine Bestandsaufnahme, keine Wirkung.
5. Quellen außerhalb Ihrer Website kommen vor. Ein großer Teil dessen, was KI-Systeme über ein Unternehmen zitieren, steht in Verzeichnissen, Fachmedien, Foren und Vergleichen. Ein Angebot, das ausschließlich Ihre eigene Website betrachtet, übersieht den größeren Teil. Analyse und Umsetzung können dabei bei verschiedenen Beteiligten liegen: Wer die Quellen ermittelt, muss sie nicht selbst bearbeiten, sollte aber sagen, wer es tut.
6. Behauptungen sind belegt. Wenn ein Anbieter sagt, eine bestimmte Maßnahme steigere die Sichtbarkeit in KI-Systemen, fragen Sie nach der Quelle. Bei mehreren verbreiteten Maßnahmen ist die Datenlage schwächer, als die Verkaufsversprechen vermuten lassen.
7. Der Leistungsumfang ist in Ergebnissen beschrieben. Nicht „laufende GEO-Optimierung“, sondern welche Ergebnisse in welchem Rhythmus.
Fragen für das Erstgespräch
Fünf Fragen, die Sie in fünf Minuten stellen können und die erstaunlich viel klären.
Wie messen Sie, ob wir heute in KI-Antworten vorkommen?
Eine brauchbare Antwort nennt ein Fragenset, mehrere Systeme und einen Erhebungszeitraum.
Wie viele Fragen legen Sie an, und wer formuliert sie?
Wenn Sie die Fragen liefern sollen, ist das ein Aufwand, der im Angebot stehen muss.
Wann messen Sie nach, und mit welchem Set?
Die Antwort muss „mit demselben“ lauten. Sonst sind die Zeitpunkte nicht vergleichbar.
Welche Belege haben Sie für die vorgeschlagenen Maßnahmen?
Sie müssen die Studien nicht kennen. Es reicht zu hören, ob eine kommt.
Was passiert, wenn sich nach drei Monaten nichts bewegt hat?
Ein Anbieter, der darauf keine Antwort hat, hat das Szenario nicht eingeplant.
Warnzeichen
Garantierte Nennungen. Niemand kontrolliert, welche Quellen ein Sprachmodell heranzieht. Zusagen auf bestimmte Ergebnisse sind nicht haltbar.
Eine technische Maßnahme als Hauptargument. Wenn ein Angebot im Kern aus einer Datei oder einem Markup besteht, fragen Sie nach der Messung dahinter.
Kein Ausgangswert. Der häufigste Mangel. Ohne ihn lässt sich am Ende nichts belegen.
Keine Aussage zur Unsicherheit. Das Feld ist zwei Jahre alt, die Anbieter der KI-Systeme veröffentlichen ihre Gewichtungen nicht, und Studien widersprechen sich. Wer in diesem Umfeld völlige Sicherheit ausstrahlt, hat entweder nicht geprüft oder verkauft Gewissheit, die es nicht gibt.
GEO-Optimierung als separates Budget neben SEO. Möglich, aber begründungspflichtig. Die Umsetzungsmaßnahmen überschneiden sich stark. Eine separat gebuchte Messung ist etwas anderes, weil sie ein eigenes Verfahren und eigene Werkzeuge verlangt. Wenn ein Anbieter dagegen zwei parallele Optimierungsbudgets veranschlagt, sollte er erklären können, welche Arbeit jeweils nur dort anfällt.
Was es kostet
Öffentliche Preisangaben für GEO sind im deutschen Markt selten. Die meisten Anbieter nennen keine Zahlen.
Was sich sagen lässt:
Einmalige Messung. Anlegen des Fragensets, Erhebung über mehrere Tage, Auswertung. Ein überschaubarer Aufwand, der sich als Festpreis kalkulieren lässt.
Laufende Messung. Günstiger als die erste Erhebung, weil das Set steht.
Umsetzung. Der größere Posten, und er unterscheidet sich kaum von klassischem SEO. Die Marktspannen dafür liegen überwiegend zwischen 1.000 und 5.000 € monatlich, je nach Größe und Wettbewerb.
Ausführlich: Was kostet SEO und GEO?
Werkzeuge. Spezialisierte Monitoring-Werkzeuge werden im Abo abgerechnet. Klären Sie, ob diese Kosten im Angebot enthalten sind.
Agentur, Freelancer oder intern
Agentur. Mehrere Fachleute, Vertretung bei Ausfall, Umsetzung im Haus. Sinnvoll, wenn Sie Umsetzung einkaufen wollen und intern wenig Kapazität haben. Teurer, weil Struktur mitfinanziert wird.
Freelancer. Direkter Kontakt zur Person, die auch arbeitet. Günstigere Sätze, begrenzte Kapazität, keine Vertretung. Sinnvoll, wenn im Unternehmen jemand umsetzen kann und die Richtung fehlt.
Intern. Auf Dauer die günstigste Variante bei ausreichendem Volumen. Für GEO allein selten gerechtfertigt, weil der Messaufwand überschaubar ist und Werkzeugkosten anfallen.
Die häufigste Mischform: interne Umsetzung mit externer Beratung und Messung. Damit bleibt das Fachwissen über die eigenen Produkte im Haus, und die Analyse kommt von außen.
Für GEO spricht bei dieser Aufteilung noch ein zweiter Grund: Die Inhalte, die KI-Systeme zitieren, brauchen fachliche Tiefe. Die kann niemand liefern, der Ihr Produkt nicht kennt.
Wann Sie noch keine Agentur brauchen
Drei Situationen, in denen ein Vertrag der falsche nächste Schritt ist.
Sie wissen nicht, ob Sie ein Problem haben. Dann ist eine Messung der günstigere Weg zur Antwort. Vielleicht werden Sie bereits genannt, und der Handlungsbedarf liegt woanders.
Ihre Website ist technisch oder inhaltlich am Anfang. KI-Systeme greifen bei aktuellen Fragen überwiegend auf Suchindizes zurück. Wer dort nicht auftaucht, taucht auch in den Antworten selten auf. Dann ist klassisches SEO der erste Schritt.
Niemand bei Ihnen hat Zeit. Ein GEO-Projekt liefert Empfehlungen, die jemand umsetzen muss. Wenn Freigaben und Texte über Wochen liegen bleiben, zahlen Sie für Messungen, aus denen nichts folgt.
In allen drei Fällen ist eine einmalige Messung der bessere Einstieg als ein Monatsvertrag. Bei mir kostet ein KI-Sichtbarkeits-Check 490 € und liefert in drei bis fünf Tagen einen Ausgangswert.